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Tea for three

Tea for three
im Kulturkeller

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Erstmals wandelte sich Guntersblums Kulturkeller zur pulsierenden Bar, als führten steile Steintreppen direkt zum „Jazzclub Rheinhessen“. Das Premierenpublikum der jungen Partnerschaft erlebte einen gelungenen Abend.

Zum rhythmischen Mitschnippen animierende Soundtracks verwöhnten jung gebliebene Freunde zeitloser Kompositionen, die an Nat King Coles Zauberkraft oder Oscar Petersons phänomenales Klavierspiel erinnerten. Mehr noch: Quicklebendig purzelten da selbst vertrauteste Klänge von der kleinen Bühne dank des Trios „Tea for Three“ um den Wiesbadener Pianisten Andreas Hertel – namensgebend selbstverständlich war der Swing-Klassiker „Tea vor Two“.

Zuvor bewiesen begnadete Hände mit „Give me the simple life“, dass die oft zitierte „Leichtigkeit des Seins“ kein Märchen ist. Lebensfreude bedarf spielerischer Impulse, für die mit virtuosen, nie aber eitlen Soli sowohl Kontrabassist Florian Werther wie Stefan Kowollik auf sechs Saiten seiner Gitarre einfühlsam beitrugen.

Ein kundiges Publikum im ausverkauften Haus spendet gerne Beifall nach gelungenem Zwischenspiel. Mal verlässt der Bass seine angestammte Aufgabe als Rhythmus-Rahmen eines Ensembles ohne Schlagzeug und tanzt das Thema aufgreifend zur eingängigen Melodie aus; bald huschen muntere Fingerkuppen über das Griffbrett, als seien sie beseelt. Konzentriert vorgetragene Improvisationen flirten über musikalische Finesse hinaus mit menschlichen Gefühlen.

Blues trägt keineswegs stets Trauer. Denn Zuhörer vermögen sich kaum der fast körperlichen Kraft zu entziehen. Mitgerissen vom satten Groove versteht jeder sofort sinnliche Botschaften wie „I can’t give you anything but Love.“ Emotionale Klangbilder lassen träumen, gerade weil die Dreierbande dank rein instrumental entfesselter Freude auf Worte verzichten kann.

Wenn erotische Bossa-Novas aus der Feder von Stan Getz und Gil Gilberto derart hautnah verführen, bedarf es gesungener Lyrik nicht mehr. So kündigt augenzwinkernd Moderator und Bandleader Hertel das vom Titel her „triste“ Stück des Genres an – es sei doch in Dur notiert. Atemberaubend erobern lichte Aussichten, aus melancholischer Grundstimmung geboren, nur noch lauschende Herzen und Gedanken.

Erneut von Oscar Peterson vertonter Boxkampf zwischen „Ali und Frazier“ verzichtet völlig auf brutalen Schlagabtausch und beruft vielmehr die Faszination, die damals Millionen vor Fernsehgeräte zwang. Leichtfüßig entzieht sich Ali – mit bürgerlichem Namen C. Clay – drohender Fausthiebe seines Gegenübers. Klar verstehen ältere Ohrenzeugen besser, woran solch akustischer Sport erinnert. Aber auch Leuten, denen schwergewichtige Helden im Ring vor den Klitschko-Brüdern völlig unvertraut bleiben, erahnen, dass gestrige Mythen zurecht im Jazz gefeiert werden. Um Alltäglichem mehr „gute Laune“ abzugewinnen… Und um zu zeigen, dass Herren im schicken Anzug mit Fliege unterm weißen Hemdkragen mindestens eben so viel Lust „rüberbringen“ als anders gestylte Rockartisten der Charts.

Stehender Applaus aller Generationen lässt keinen Zweifel zu. Mit der Partnerschaft zum „Jazz-Club“ gewinnt der bislang durch die Folk- oder Songwriter-Szene herausragend bediente „Geheimtipp“ im Kellerweg noch mehr Fans. Klasse, nach weiteren Attraktionen zu suchen. Im September wird es erneut zum jazzigen Gastspiel kommen.

Achim Schiff

 

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