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band_web_2258 chris-barber_brueck_2010 donati_442_web Rod Mason und Klaus Wegener 2014

International Trio 2011

International Trio mit Olivier Franc

in Saulheim, 12. April 2011

International-Trio-20111

W. C. Handy komponierte den „St. Louis Blues“ im Jahr 1914. Es war einer der ersten Blues-Songs, der als Pop-Song so erfolgreich wurde, dass er die Entwicklung des Foxtrotts beeinflusste, ihn die Äthiopier gar zu ihrer Kriegshymne im Kampf gegen die Italiener machten. Das International Trio mit dem Klarinettisten Reimer von Essen, dem Pianisten David Boeddinghaus, dem Schlagzeuger Trevor Richards und dem Sopransaxofonisten Olivier Franc als Gast präsentierten den St. Louis Blues in der Zugabe eines mit „standing ovations“ gefeierten Konzertes weitaus weniger kriegerisch, sondern sich dem Ursprung nähernd. Es ist die Geschichte einer Begegnung Handys mit einer Frau in einer Fischbratküche in St. Louis, die ihm erzählte, dass ihr Freund sie verlassen habe. Es mag die Frische erklären, mit der die Wiedererwecker des klassischen New Orleans Jazz die Musik interpretieren, dass die Komponisten schon vor hundert Jahren zu ungewöhnlichen Blues-Schemata und Taktformen griffen. W. C. Handy reicherte den zwölftaktige geshuffleten Blues raffiniert mit 16er Rhythmen und kontrastierenden Elemente an, versuchte nach eigenem Bekenntnis die Ragtime-Synkopierung mit einer Melodie zu verknüpfen. Der Pianist Clarence Williams seinerseits habe in „Mandy make up your mind“ alle zwölf Tonarten in einer achttaktige Komposition gepackt, erzählt Reimer von Essen, der mit ebenso lehrreichen wie unterhaltsamen Anekdoten durch das Programm führt.

Handy und Williams und vor allem Sidney Bechet bestimmen das Repertoire dieses Konzertes, zu dem der Jazzclub Rheinhessen das erweiterte International Trio in die ehrwürdige Saulheimer Sängerhalle eingeladen hat. Das ist logisch, denn der Sopransaxophonist Olivier Franc gilt als einer der authentischsten Vertreter der Bechet- Schule. Er trifft wie kaum ein anderer Künstler das intensive Spiel des Altmeisters, dessen romantische Melodik in den weit geschwungenen Bögen sowie die langsamen vibratoreichen Linien. In „Old fashioned love“ finden sich das Saxofonist und der Klarinettist zum zweistimmigen Spiel, das seinen besonderen Reiz aus der Kombination der wärmer klingenden Klarinette und dem leicht rauen Ton des Sopransaxofons zieht. Das gilt auch dann noch, wenn Reimer von Essen in spitze High-Notes-Lagen steigt und Olivier Franc die Höhen mit gleißender Präsenz spielt.

Für den drängenden Drive sorgt der amerikanische Pianist David Boeddinghaus mit seinen rollenden oder ostinaten Bässen sowie Rhythmusfiguren der linken Hand und den reich verzierten sowie mit Trillern versehenen Melodielinien der Rechten. Er integriert Rag und Boogie ebenso in sein Spiel wie den „Stride-Piano-Stil“. Die rhythmische Basis für dieses Trio legt der britische Schlagzeuger Trevor Richards, der sein ökonomisches und sensibles Begleit-Spiel auf wenigen Trommeln, Becken, Holz und Metallglocke in den Soli mit rasenden Wirbeln sowie darüber gelegten rhythmischen Akzenten ausweiten darf.

E wäre anmaßend, die Interpretation der frühen Jazz-Kompositionen als „Museum-Jazz“ abzuwerten. Mit Spielfreude und Einfühlungsvermögen erwecken das International Trio im inzwischen 30. Jahr ihres Bestehens und Olivier Franc die Stücke der Altmeister zu neuem Leben.

Klaus Mümpfer

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