B i l d e r
az-big-band_0123 Barrelhouse Jazzband mit Angela Brown riverboatshuffle2 IMG_1844

The Big Chris Barber Band 2010

The Big Chris Barber Band 2010
Nieder-Olm

Das Konzert beginnt wie seit Jahrzehnten mit der „Bourbon Street Parade“, jener Komposition Paul Barbarins aus dem Jahr 1949, die bei Barber keineswegs an Frische verloren hat. Den Jazz aus der Geburtsstadt der „schwarzen Musik“ machte der weiße Brite Chris Barber in einer simplifizierten Form als Revival vor mehr als 55 Jahren hit-reif und modernisierte ihn erfolgreich mit Rock- und Blues-Einflüssen sowie die Hereinname der elektrischen Gitarre. Anlässlich des gerade ein paar Tage zurückliegenden 80. Geburtstages stößt der Vorsitzende des gastgebenden Jazzclubs Rheinhessen, Karl-Heinz Brück, vor dem zweiten Set mit Chris Barber an und der kräftige „Happy Birthday“-Gesang aus dem Publikum beflügelt die ausgeprägte Spielfreude der „Big Chris Barber Band“ in diesem mitreißenden Konzert. Sein Geheimnis für die Frische im Alter sei es, dass er nie krank gewesen war, witzelt der Posaunen-Senior, der mit trocken-britischem Humor und flüssigem Deutsch durch das Programm führt.

Ein Beispiel für die Öffnung zum modernerem Jazz ist die 1958 geschriebene Miles-Davis-Komposition „All Blues“ mit einer filigranen Gitarren-Intro von John Slaughter und der singenden Melodielinie von Zoltan Sagi auf dem Altsaxophon, die ihrerseits von ostinaten Riffs der beiden Tenorsaxophonisten Richard Exall und David Horniblow unterlegt wird. Slaughter zieht glissandierende Akkorde auf der E-Gitarre, Mike Henry lässt die gestopfte Trompete sanft und hell erklingen, Bassist Vic Pitt zupft ein erdiges und zugleich melodiöses Solo, nach dem die Bläser wieder auf das Thema zurückführen, bis sich Altsaxophon, Trompete und Gitarre schließlich im Ruf-Antwort-Spiel die Harmonie-Bälle zuwerfen.

Der fantastische Sound der Big Chris Barber Band, der fast an den einer vollen Big-Band heranreicht, ist indessen den Tutti zu verdanken, in denen gleißendes Blech und singende Saxophone kraftvoll, aber keineswegs brachial aufeinandertreffen. Die Trompeter spielen sich in die stählern klingenden HighNotes, die Klarinetten umranken einander mit Vibrato und Team-Chef Barber spielt mit reifer Virtuosität und Slide-Effekten eine stilistisch  urwüchsige Tailgate-Posaune. Immer wieder findet er sich in Duos mit Bob Hunt, der die kraftvolleren Posaunensoli übernimmt und für die Arrangements verantwortlich ist.

Natürlich dürfen in einem Barber-Konzert einige Klassiker nicht fehlen. Sagi bläst mit Inbrunst auf der Klarinette „Petite fleur“, das auch nach einem halben Jahrhundert die Zuschauer anrührt. Für ein paar Takte kontrastiert die Band nach einem Dynamiksprung mit einem Tutti die balladeske Stimmung, bevor das Stück mit einem filigranen Duo von Saxophon und Gitarre endet.

Trefflich intoniert das Band Ellingtons rauen Djungle-Sound in präzisem Time-Spiel bei „Merry go round“ und „Jubilee Stomp“, spielt bluesgetränkt den Spiritual „We sure do need him now“, verflicht die Melodielinien von Saxophon, Trompete und Posaune im „Wild Cat Blues“, um in ein mehrstimmiges Finale einzumünden. Wenn Joe Farler auf dem Banjo ein Solo zupft, ist Skiffle nicht weit. Dass zum Schluss des Konzertes das begeisterte Publikum im unausweichlichen „Ice Cream“ aus vollen Kehlen mitsingt, ist selbstverständlich.

Klaus Mümpfer

Schreibe einen Kommentar

<< Dez 2018 >>
MDMDFSS
26 27 28 29 30 1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30
31 1 2 3 4 5 6
V e r a n s t a l t u n g e n