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St. Philipp Street Quintet

St. Philip Street Quintet mit New Orleans Jazz
in Bechenheim

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„Es passt einfach alles zusammen“, stellt Birgit Bauer fest. Was auf dem Weingut und Kräuterhof Bauer-Schwab in Bechenheim zusammenpasst, lässt sich an diesem Vormittag leicht festmachen: Die Sonne lacht vom blauen Himmel, der Wein mundet vorzüglich und das Essen von der Salbei-Pastete mit der Johannisbeer-Rotwein-Sauce bis zum Kasselerbraten mit Kräuterhaube und Petersilienpesto findet zahlreiche Liebhaber. Dass dazu die swingenden Klänge des alten und ewig jungen New Orleans Jazz des „St. Philip Street Quintet“ ertönen, macht das Glück für die zahlreichen Jazz-Fans beim Gemeinschaftskonzert der Kultur- und Weinbotschafter sowie des Jazzclubs Rheinhessen vollkommen.

Bei angenehmer, aber nicht lauter Unterhaltung, füllen die Harmonien eines Blues das Rund des Hofes zwischen Scheunen und Wohnhaus. Ma Rainey, die als „Mother of the Blues“ einst den Übergang vom ländlichen zum klassischen Blues markiert hatte, schrieb die Komposition „See See Rider“ um 1925 und aus dieser Zeit am Beginn des 20. Jahrhunderts stammt die Musik, die das Quintett mit der Bassistin Jutta Klauer, dem Klarinettisten Harry Lange, dem Schlagzeuger Tom Schilp, dem Banjo-Spieler Ludger de Bouwer sowie dem Posaunisten Harald Blöcher mit viel Einfühlungsvermögen und mitreißender Spielfreude präsentiert. Die Posaune stellt die Melodie vor, die Klarinette umspielt und verziert die Linie, der Bass marschiert gradlinig mit angedeuteter Slap-Technik, das Banjo wirft mit seinem typischen, leicht näselnden Ton die Akkordvariationen ein und das Schlagzeug untermalt den Rhythmuspart mit Wirbeln sowie wenigen akzentuierten Schlägen. „Just a closer walk“ mit der langsamen Einleitung auf der in Mittellagen warm gespielten Klarinette präsentiert die Bandleaderin Klauer als Sängerin mit angenehmer Altstimme. Das Finale gestaltet die Band schnell und lebhaft – so wie im frühen New Orleans die Funerals und Märsche oftmals mit jenen abrupten Wechseln zwischen getragenen und Up-Tempo-Passagen gespielt wurden. Immer wieder steigt die Klarinette jubilierend in die hohen Lagen, setzt die Posaune mit kraftvollem Ton in den Tiefen Akzente. Kollektive haben Vorrang vor den Soli, jene für die an sich klassische Quintett-Besetzung dieses Jazz-Stils geschriebenen Arrangements hat Jutta Klauer auf die Klangfarben und das Zusammenspiel der Band abgewandelt. „Girl of my dream“ erklingt so als ein Walzer mit getragenem ersten und schnellem zweiten Teil. Tanzmusik sei der Jazz damals in New Orleans gewesen, sagt Jutta Klauer  und so will sie ihn auch heute im 21. Jahrhundert aufspielen. Der Name „St. Philip Street Quintet“ verweist auf die entsprechende Straße in New Orleans, wo einer der damals tonangebenden Musiker, der Klarinettist George Lewis, gelebt hatte.

Im rheinhessischen Bechenheim klingt die Musik aus der Geburtsstadt des Jazz nicht minder authentisch, was die Zuhörer mit Fußwippen und Kopfnicken sowie reichem Beifall nach den Soli quittieren. Zwischendurch nehmen sich einige Fans die Zeit für einen Spaziergang durch den Kräutergarten der Familien  Bauer-Schwab, denn  auch nach hier wehen die Klänge des alten Jazz herüber.

Klaus Mümpfer

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