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Schierbaum singt Musicals

Sopranistin Schierbaum singt Musicals,
Wörrstadt

Sopranistin_Schierbaum

Die Sopranistin Kirsten Schierbaum hat eine klare und kraftvolle Kopfstimme, die sie in den Höhen so brillant einsetzt, dass sie wohl Gläser zum Zerspringen bringen könnte. Diese Fähigkeit, sich bis in die höchsten Lagen aufzuschwingen, bot ihr beim Gemeinschaftskonzert des Jazzclubs Rheinhessen, der Bibliothek des Schulzentrums und des Kulturkreises vor allem das dramatische – ariengleiche –  „glitter and gay“ in Leonard Bernsteins „Candide“. Dieses Werk, stilistische zwischen Operette, Broadway-Show und Oper, schrieb der Komponist und Dirigent nach einer Satire von Voltaire. Auf der andern Seite scheint es unmöglich, mit einer solch glänzend ausgebildeten Konzert-Stimme die bluesige Verruchtheit der Seeräuber Jenny und ihrem Song „Surabaya Johnny“ zu finden – zumal Kurt Weill diesen Song seiner Frau Lotte Lenya auf den Leib geschrieben hatte. Dessen ungeachtet traf Kirsten Schierbaum mit stimmlicher Modulation und schauspielerischem Talent das Wechselbad der Gefühle von Weills Seeräuber-Jenny.

Beim Konzert im Wörrstädter Schulzentrum war Dr. Georg Hilfrich ein souveräner und einfühlsamer Begleiter, der im Up-Tempo-Mittelteil von Stephen Sondheims „You could drive a person crazy“ aus „Company“ auch mal eine Jump-Piano-Passage einflocht. Die Dynamik, die Richard Rodgers im Song „Something wonderful“ aus dem Musical „The King and I“ der Lady Thiang gewährt, kostete auch Kirsten Schierbaum in ihrem Programm „The girls of Broadway“ voll aus. Gefühlvoll präsentierte sie wiederum das langsam „Stay well“ aus dem in Afrika beheimateten Dramolett „Lost in the Stars“ von Kurt Weill. Auch Jerome Kern, George Gershwin, Cole Porter und Michel Legrand steuerten Kompositionen zum Musical-Programm bei.

Das Musical ist der eine Pol des breit gefächerten Repertoires von Kirsten Schierbaum, das zurück bis zu den Oratorien der Barockzeit reicht, auch Konzerte mit Liedern aus mehreren Jahrhunderten umfasst. Die charmanten Einführungen in die einzelnen Lieder des Musical-Abends, die schauspielerisch angereicherten Interpretationen mit nur wenigen Requisiten  und die wandlungsfähige Anpassung der Stimme an die jeweilige Musical-Persönlichkeit faszinierten die Zuhörer in dem leider nicht ausverkauften Konzert. Sie erzwangen mit stehenden Ovationen Zugaben, einem Wunsch, dem die Sopranistin und der Pianist mit einer mitreißenden Interpretation von „New York, New York“ gerne nachkamen.

Klaus Mümpfer

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