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Barrelhouse Jazzband mit Angela Brown Fred Wesley - 2010 George Duke - 2010 IMG_1846

Riverboat Shuffle 2015: Tolle Stimmung

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Obwohl am Tag zuvor im Bereich Bingen/Rüdesheim die Welt unterzugehen drohte und der Feuerwehr zahlreiche Einsätze bescherte, hatte Petrus ein Einsehen mit den gut 200 Gästen der nunmehr 19. Riverboat-Shuffle des Jazzclub Rheinhessen – es fällt kein Tropfen Regen. Eine leichte Brise trägt die Harmonien der traditionellen Jazz-Stile New Orleans und Swing über den Strom hinweg, auf dessen Fluten die “MS Vater Rhein“ ruhig flussabwärts treibt. Sommerliche Abendstimmung und “a wonderful swinging“ garantieren einen besonderen Ausflug akustischer und optischer Freuden zwischen Bingen und der Loreley. Die beiden Bands “All That Jazz“ und das “Peter Glessing Swingtett“ zaubern mit ihrem Jazz eine prächtige New Orleans-Atmosphäre, die freudig aufgenommen wird. Die immer wieder beeindruckende Kulisse rechts und links des Rheins ergänzt den musikalischen Genuss vollkommen.
Facettenreich und mit ausgelassener Spielfreude präsentiert die Formation “All That Jazz“ um Clubmitglied Toni Krebs auf dem Oberdeck vorwiegend traditionellen New Orleans-Jazz. Neben dem Leader an der Trompete spielen in der Frontline mit Detlev Erbsmehl (Altsaxophon) und Thomas Wagner (Posaune) erfahrene Jazzer. Aber auch die Rhythmusgruppe braucht sich nicht zu verstecken. Das markante Banjospiel des aus England stammenden Eric Webster, der als einer der Besten seines Fachs in Europa gilt, oder die atemberaubenden Soli auf dem gewaltigen Sousaphon von Charly Zerfaß setzen Glanzpunkte. Erste Sahne ist auch das überbordende Trommel-Solo von Hermann Kock im “Royal Garden Blues“. Als Stärke der Band erweisen sich kreolische Stücke wie “Mama Inez“ oder “Jambalaya“, aber auch die Verjazzung von volkstümlichen Melodien wie “Hallo Frl. Lisa“ (“Insterburg und Co“ 1973) und Gitta Linds “kleiner Puszta Post“ (ca. 1953). Auch mit den Calypsos “Cocoanut Woman“ und “Angelina“ aus dem Repertoire von Harry Belafonte kommt “All That Jazz“ bei den zahlreichen Gästen auf dem Oberdeck gut an. Die Gesangseinlagen teilen sich die sympathische Jasmin Shakir und Thomas Wagner, der auch sachkundig moderiert.
Wem der Jazz auf dem Oberdeck zu traditionell ist, kann sich eine Etage tiefer dem traumhaft eingespielten Peter Glessing Swingtett zuwenden. Begleitet wird Glessing von Jann Meyer am Kontrabass und Peter Fahrenholz am Schlagzeug sowie Karsten von Lüpke am Piano. Zwar haben auch die Musiker der Rhythmusgruppe ihre beklatschten Soli, aber Glessing ist der Star, auf den alle Blicke gerichtet sind. Ob auf Tenor- und Sopransax oder Klarinette, ob bei tragenden Bluesnoten oder explosiven Ausbrüchen in schräge „Free-Soli“, Glessing hat einen atemberaubend brillanten Ton und ein Harmoniegefühl, wie man es nur bei den Großen seines Instrumentes findet. Mit dem für ihn typischen, „hauchigen, rotzigen“ Saxophon-Sound interpretiert er Swing-Standards wie „Satin Doll“ auf höchst eigenwillige Art. Vielfach baut er Passagen anderer Songs geschickt ein, so dass fast jedes Stück zum Medley wird. In “Meckie Messer“ entfernt er nacheinander alle Teile der Klarinette, um schließlich nur noch mit dem Mundstück die Melodie zu blasen. Als es eine junge Dame im roten Kleid nicht mehr auf dem Stuhl hält und sie zwischen den Stuhlreihen tanzt, marschiert Glessing auf sie zu und heizt die Stimmung weiter an.
Am Fuße der Loreley finden sich alle Musiker beider Bands auf dem Freideck ein – Pianist Karsten von Lüpke hat sich unterdessen ein Akkordeon umgeschnallt –, um unter freiem Himmel am Fuße des berühmten Felsen „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin“ zu intonieren. Auch die noch folgende kurze Jam-Session wird vom inzwischen zahlreichen Publikum begeistert aufgenommen. Bei bester Stimmung geht eine tolle abwechslungsreiche Rheinfahrt zu Ende, die hoffentlich 2016 als Jubiläums-Shuffle Nr. 20 wieder stattfindet, voraussichtlich dann an einem Sonntagmittag. Reinzufällig verabschieden sich beide Bands mit dem stimmungsvollen Armstrong-Klassiker „What a Wonderful World“ von ihren begeisterten Zuhörern. Ludwig Lang

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