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Riverboat-Shuffle 2011

Riverboat-Shuffle 2011
Heiße Rhythmen auf dem Rhein

RiverboatShuffle_2011

Wegen der vielen Feiertagswochenenden im Juni hat der Jazzclub Rheinhessen seine 15. Riverboat-Shuffle von üblicherweise Mitte Juni auf den letzten Sonntag im Mai vorverlegt. Bei bestem Wetter hieß es um 11 Uhr in Bingen „Leinen los“ auf dem Riverboat.

Während die “MS Vater Rhein“ nach Rüdesheim übersetzt, um noch einige Gäste an Bord zu nehmen, legt auf dem bereits gut gefüllten Oberdeck die „La Vida New Orleans Band“ los mit ihrer Erkennungsmelodie, dem „Bogalusa Strut“. Die aus dem Raum Frankfurt angereiste Band wurde 1979 von einigen Musikern um den Schlagzeuger Peter Hermann nach einem Besuch in New Orleans gegründet und nach einer längeren Pause 2005 in veränderter Besetzung wieder neu belebt. Facettenreich und mit ausgelassener Spielfreude präsentiert sie die verschiedenen Stile, wie sie sich über ein Jahrhundert in New Orleans – der Geburtsstadt des Jazz – entwickelt haben. Die Trompete von Harald Möbus und das Saxophon von Achim Hamacher umspielen einander, ergänzt vom erdigen Klang der Posaune von Rudi Möbus. Dominik Dötsch am Piano baut elegant die Brücke zwischen dem traditionsverhafteten Banjo von Helmut Haase und den kühleren Linien von Uli Wankas Kontrabass, während Peter Hermanns perfekter New Orleans-Beat den Charakter der Band prägt. Neben den üblichen Traditionals einer New Orleans-Band werden auch modernere Stücke wie Thelonious Monks „Blue Monk“ oder die wohl nur Insidern bekannte Komposition „Afromotive in blue“ von Bill Coleman als wahre Leckerbissen präsentiert.

Wem der Jazz auf dem Oberdeck zu traditionell ist, kann sich eine Etage tiefer dem traumhaft eingespielten Peter Glessing Swingtett zuwenden. Begleitet wird Glessing von Götz Ommert am Kontrabass und Peter Fahrenholz am Schlagzeug sowie der in Frankfurt lebenden Russin Natalya Karmazin am Piano. Zwar haben auch die Dame und die beiden Herren der Rhythmusgruppe ihre beklatschten Soli, aber Glessing ist der Star, auf den alle Blicke gerichtet sind. Ob auf Tenorsaxophon oder Klarinette, ob bei tragenden Bluesnoten oder explosiven Ausbrüchen in schräge „Free-Soli“, Glessing hat einen atemberaubend brillanten Ton und ein Harmoniegefühl, wie man es nur bei den Großen seines Instrumentes findet. Mit dem für ihn typischen, „hauchigen, rotzigen“ Saxophon-Sound interpretiert er Swing-Standards wie „Satin Doll“ auf höchst eigenwillige Art. Vielfach baut er Passagen anderer Songs geschickt ein, so dass fast jedes Stück zum Medley wird. Für Gershwins „s’ Wonderful“ wechselt er zur Klarinette, aus der er sehr expressiv Töne bis in die höchsten Lagen hervorzaubert und auch schon mal Passagen von „Sentimental Journey“ oder „Hänschen klein“ einbaut.

Aber auch auf dem Freideck, auf dem ansonsten die „La Vida“ in mäßiger Soundqualität aus Lautsprechern zu hören ist, gibt es Live-Jazz: Während Peter Glessing im Trio mit seinen beiden Kollegen am Bass und Schlagzeug Gershwins „Summertime“ zum Besten gibt und beim Wenden an der Loreley „ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ auf seine Weise interpretiert, folgt zu einem späteren Zeitpunkt der Auftritt einer Abordnung der „La Vida“ mit „See see rider“ und dem „Royal Garden Blues“ unter freiem Himmel.

Obwohl die “MS Vater Rhein“ wegen des Niedrigwassers eine halbe Stunde länger als üblich unterwegs ist, vergehen auch die viereinhalb Stunden viel zu schnell. Bereitwillig gibt es von beiden Bands noch Zugaben, bis auch die letzten Gäste wieder festen Boden unter den Füßen haben. Bei bester Stimmung geht eine tolle abwechslungsreiche Rheinfahrt zu Ende, die hoffentlich 2012 wieder stattfindet, voraussichtlich dann an einem Samstagabend.

Ludwig Lang

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