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Riverboat-Shuffle 2009

Riverboat-Shuffle 2009

Riverboat_Shuffle_2009

Trotz hervorragenden Wetters kann Jazzclub-Vorsitzender Karl-Heinz Brück nur etwas über 200 Gäste bei der 13. Riverboat-Shuffle des Jazzclub Rheinhessen begrüßen. Das lange Fronleichnams-Wochenende und das gleichzeitig stattfindende Jazzfestival in Worms könnten als Gründe in Frage kommen. Aber der Stimmung an Board tut dies keinen Abbruch. Eine kräftige Brise trägt die Harmonien der traditionellen Jazz-Stile New Orleans und Swing über den Strom hinweg, auf dessen Fluten die “MS Vater Rhein“ flussabwärts treibt. Sommerliche Abendstimmung und “a wonderful swinging“ garantieren einen besonderen Ausflug akustischer und optischer Freuden zwischen Bingen und der Loreley. Die beiden Bands “En Haufe Leit Jatzmussigg“ und “Jammin’ Five plus Three“ zaubern mit ihrem Jazz eine prächtige New Orleans-Atmosphäre, die freudig aufgenommen wird. Die immer wieder beeindruckende Kulisse rechts und links des Rheins ergänzt den musikalischen Genuss vollkommen.

Im Oberdeck genießen die Freunde des traditionellen Jazz die Kultband “En Haufe Leit“ aus Darmstadt. Mit ausgelassener Spielfreude präsentiert das Nonett, das seit 1975 besteht, vorwiegend New Orleans-Jazz. Für die Arrangements sorgen Gerhard Braese (Trompete und Gesang) und Norbert Hanf (Klarinette und Piano). Die Frontline vervollständigen noch Dirk Reccius (Posaune, Saxophon und Tuba), Rolf Lang (Alt- und Tenor-Saxophon), Hillrich Kloppenburg (Sopran- und Tenor-Saxophon) sowie Alfred Heupt (Gesang und Piano). Für den richtigen Rhythmus sorgen Klaus Gottmann (Banjo), Thomas Heldmann (Bass) und Thomas Hoffmann (Schlagzeug).

Aus King Olivers “Dr. Jazz“ und dem Standard “Shine“ kreiert die Band das Medley “Doctor Shine“ mit einem fetzigen Banjo-Solo von Klaus Gottmann. Nach dem balladesken “Glory Of Love” folgt Sidney Bechets kreolische Komposition „Le Marchand de Poisson“, die von einem Fischhändler handelt. Mit dem urigen Gesang von Alfred Heupt fühlt man sich in Stücken wie “While We Danced At The Mardi Gras“ in die Jazzkneipen des French Quarters zurückversetzt. Eine Spezialität der Band ist der karibische Rhythmus, mit dem die Musiker bei mehreren Aufenthalten in New Orleans konfrontiert wurden. Als typische Beispiele hierzu dienen “Go To New Orleans“, Kid Orys “Eh La Bas“ oder auch “Rum And Coca Cola”, das von den Andrew Sisters (um 1940) und 30 Jahre später von Professor Longhair populär gemacht wurde. Aber auch an moderne Kompositionen wagt sich die Band, indem sie z.B. „It’s All Over Now“ von den Rolling Stones auf ihre Art präsentiert. Am Wendepunkt der Schiffsreise improvisieren die Musiker über die alte Volksweise „ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin“, die der geheimnisvollen Loreley gewidmet ist. Insbesondere bei den kreolischen Stücken wird von einer Geburtstagsgesellschaft ausgiebig das Tanzbein geschwungen.

Wem der Jazz auf dem Oberdeck zu laut oder zu fetzig ist, kann sich eine Etage tiefer der “Jammin’ Five plus Three“ zuwenden. Die acht zum Teil schon im recht vorgerückten Alter befindlichen „alten Jazzhasen“ (“zusammen sind wir über 500 Jahre alt“) haben sich dem klassischen Jazz mit Schwerpunkt Swing verpflichtet und präsentieren etwas beschaulicher, aber sehr facettenreich Jazz-Standards wie “Oh!, Lady Be Good“, “Blue And Sentimental“ oder “Careless Love“. Die vorwiegend als Hausband einer großen deutschen Fluggesellschaft (“die mit dem Kranich“) agierende Formation wurde 1997 von Clubmitglied Kristian Zeyer gegründet und spielt seitdem in wechselnder Besetzung, wobei Auftritte in fernen Ländern die Regel sind. Die aktuelle Besetzung für die Riverboat-Shuffle besteht aus Dietrich Geldern (Klarinette, Saxophon), Peter Pokorny (Trompete), Erich Schilling (Posaune), Hartwig Kahlcke (Saxophon), Wilfried Jüterbock (Piano), Kristian Zeyer (Banjo), Hans Beck (Kontrabass) und Markus Eschmann (Schlagzeug).

Obwohl die „Jammin’ Five plus Three“ anfangs vor fast leeren Rängen spielt, da die meisten Gäste noch die Sonne des Freidecks genießen, füllt sich das Unterdeck im Laufe des Abends immer mehr mit begeisterten Zuhörern, welche die relaxte Spielweise des Oktetts mit viel Beifall bedenken wie z.B. die nur mit Rhythmusgruppe begleitete Soloimprovisation des Saxophonisten Dietrich Geldern im “St. Louis Blues“. Das Schiff liegt bereits einige Zeit in Bingen vor Anker, als auf Wunsch einer freundlichen Bedienung als letzte Zugabe noch „When The Saints“ erklingt.

Die mehr als vier Stunden zwischen Bingen und der Loreley vergehen bei bester Stimmung viel zu schnell. Ob nach dem schwachen Besuch im nächsten Jahr, in dem der Jazzclub sein 25-jähriges Bestehen feiern wird, wieder eine jazziger Rheinfahrt stattfindet, steht noch nicht fest. Jedenfalls wird die bisher wohl schönste Riverboat-Shuffle den anwesenden Jazzfreunden noch lange in Erinnerung bleiben.

Wir empfehlen Ihnen deshalb den Kauf der von Kameramann Jürgen Schober erstellten DVD. Sie kostet Euro 18,– und kann direkt bei Herrn Schober bestellt werden unter Tel.-Nr. 06131-381095 oder über www.schober-svm-mainz.de.

Text und Foto: Ludwig Lang

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