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Riverboat-Shuffle 2007

Riverboat-Shuffle 2007

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Obwohl der Wetterbericht nichts Gutes erwarten ließ und es nicht weit von der Fahrtroute entfernt gewittert, hat Petrus ein Einsehen mit den gut 300 Gästen der nunmehr 11. Riverboat-Shuffle des Jazzclub Rheinhessen. Es fällt kein Tropfen Regen. Eine leichte Brise trägt die Harmonien der traditionellen Jazz-Stile New Orleans und Swing über den Strom hinweg, auf dessen Fluten die “MS Vater Rhein“ ruhig flussabwärts treibt. Sommerliche Abendstimmung und „a wonderful swinging“ garantieren besondere akustische und optische Freuden zwischen Bingen und der Loreley. Die beiden Bands „All That Jazz“ und das „Peter Glessing Swingtett“ zaubern mit ihrem Jazz eine prächtige New Orleans-Atmosphäre, die freudig aufgenommen wird. Die immer wieder beeindruckende Kulisse rechts und links des Rheins ergänzt den musikalischen Genuss.

Facettenreich und mit ausgelassener Spielfreude präsentiert die Formation „All That Jazz“ um Clubmitglied Toni Krebs auf dem Oberdeck vorwiegend traditionellen New Orleans-Jazz. Neben dem Leader am Kornett spielen in der Frontline mit Detlev Erbsmehl (Altsaxophon) und Volker Brill (Posaune) erfahrene Jazzer. Aufregend schön die Solo-Improvisation Erbsmehls zu Beginn des jüdischen Songs „Bei mir bist du schön“. Aber auch die Rhythmusgruppe braucht sich nicht zu verstecken. Wieland Jüterbock markantes Banjospiel oder die atemberaubenden Soli auf dem gewaltigen Sousaphon von Charly Zerfaß setzen Glanzpunkte. Erste Sahne ist auch das überbordende Trommel-Solo von Joe Schulz in „Sweet Georgia Brown“. Als Stärke der Band erweisen sich kreolische Stücke wie „Jambalaya“, „Majorca“ und „Eh La Bas“. Aber auch mit der Verjazzung von volkstümlichen Melodien „Du hast Glück bei den Frauen, Belami“ oder einem Potpourri Berliner Schlager kommt “All That Jazz“ bei den zahlreichen Gästen gut an.

Wem der Jazz auf dem Oberdeck zu traditionell ist, kann sich eine Etage tiefer dem traumhaft eingespielten Peter Glessing Swingtett zuwenden. Begleitet wird Glessing von Jürgen Maschke am Piano und Uli Wanka am Kontrabass sowie Jürgen Rehbock am Schlagzeug. Auch die Herren der Rhythmusgruppe haben ihre beklatschten Soli, aber Glessing ist der Star, auf den alle Blicke gerichtet sind. Ob auf Tenorsaxophon oder Klarinette, ob bei tragenden Bluesnoten oder explosiven Ausbrüchen in schräge „Free-Soli“, Glessing hat einen atemberaubend brillanten Ton und ein Harmoniegefühl, wie man es nur bei den Großen seines Instrumentes findet. Mit dem für ihn typischen, „hauchigen, rotzigen“ Saxophon-Sound interpretiert er Swing-Standards wie „Satin Doll“ auf höchst eigenwillige Art. Vielfach baut er Passagen anderer Songs geschickt ein, so das fast jedes Stück zum Medley wird. Im „St. Louis Blues“ wechselt er zur Klarinette, aus der er Töne bis in die höchsten Lagen hervorzaubert. Aber er kann auch anders: Leise und melancholisch spielt er den „Blues for New Orleans“, den sein Vorbild Illinois Jacquet seiner Heimatstadt gewidmet hat, bis kurz danach in Sholom Secundas „Bei mir bist du schön“ sein Temperament wieder voll durchbricht.

Angeregt vom Reiz der einmalig imposanten vorübergleitenden Kulisse auf beiden Seiten des schönen Rheintals mit Schlössern, Burgen, Kirchen, Felsen, Weinbergen und malerischen Ortschaften ließen sich auch viele Besucher auf dem Freideck den kühlen Abendwind um die Ohren streichen. Nur einmal geht’s auch hier rund, als Musiker beider Bands zu einer Marching-Runde ansetzen. Geleitet von einem bunt beschirmten Anführer à la New Orleans werden teils marschierend, teils im Stehen mit „When my dreamboat comes home“ oder „When you’re smiling“ passende Standards präsentiert.

Nach über vier Stunden Fahrzeit treffen sich zwischen Rüdesheim und Bingen nochmals Mitglieder beider Bands im Foyer des unteren Decks zu einer zünftigen Session. Nach dem Anlegen des Riverbootes säumen die Musiker beide Seiten der Brücke, bis auch der letzte Gast unter den Klängen von „The Saints“ und „Bill Bailey“ festes Land unter den Füßen hat. Bei bester Stimmung geht eine tolle Rheinfahrt zu Ende, die laut Jazzclubvorsitzenden Karl-Heinz Brück auch 2008 wieder stattfinden soll, voraussichtlich an einem Sonntagmorgen.

Ludwig Lang

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