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Konzerte 2018

Stephanie Wagners „Quinsch“ in Stadecken-Elsheim am 15.Juni

Das Konzert von Stephanie Wagners „Quinsch“ beginnt eher melodisch und konventionell im Gruppensound. Es ist wahrscheinlich gerade der Kontrast zwischen dem Klang des Quintetts und der oftmals freien Improvisation der Flöten und Saxophone, die den Abend „Ouerflöte goes Jazz“ zum Erlebnis werden lassen. Ausschweifende Improvisationen auf den Instrumenten werden eingefangen von offensichtlich notierten unisono-Passagen oder Zwei- und Mehrstimmigkeiten von der Quer- und der Altflöte der Bandleaderin Stephanie Wagner sowie dem Tenor- und dem Sopransaxophon Steffen Webers. „Quinsch“ mit dem Kontrabassisten Udo Brenner, dem Schlagzeuger Jens Biehl und Steffen Stütz am Fender-Rhodes-Piano findet in den originellen Kompositionen und Arrangements zu einem kontrastreichen unverwechselbaren Sound.

Stephanie Wagners Quintett zählt zu den seltenen Jazzformationen, in denen die Querflöten als klangprägende Lead-Instrumente zu hören sind. Die Künstlerin und Komponistin ist eine Klangmalerin, die den modernen Jazz in all seiner stilistischen Vielfalt auskostet. Sie setzt flirrende Klängen, aufgeraute Überblastechniken, zwitschernde und percussive Spielweisen oder rhythmischen Verfremdungen ein, um den konventionellen Wohlklang aufzubrechen.

Sensible Partner Wagners sind in diesem Gemeinschaftskonzert der “KiSTE“ (Kultur in Stadecken-Elsheim) und des Jazzclubs Rheinhessen im sommernächtlichen Stadecker Burghof vor allem der Duo-Partner Steffen Weber, Steffen Stütz, Udo Renner und Jens Biehl. Die Flötistin sieht die Band als abenteuerliches Experimentierfeld für ihre Eigenkompositionen, von den an diesem Abend neben jenen der jüngsten CD „Shapes and Colours“ auch einige neue, bislang unveröffentlichte Stücke wie „On and On“ und „Open“ zu hören waren.

Steffen Weber bläst das Tenor- und das Sopransaxophon expressiv oder anhaltend  singend, Pianist Steffen Stütz greift virtuos, mal swingend, mal sperrig, in die Tasten, Bassist Udo Brenner zupft solide die Basis und fasziniert mit harmonisch reizvollen Linien in seinen Soli. Der komplexe und polyrhythmisch vielschichtige Drummer Jens Biehl treibt unermüdlich das Quintett an.

Wagner selbst benutzt die natürlichen Erweiterungen ihrer Flöten mit Klappen- und Atemgeräuschen, der Mehrstimmigkeit bei gleichzeitigem Gesang in „Cycles“ sowie dem lautmalerischen und sprunghaften Einsatz in „Roo“, der von einem australischen Känguru inspirierten Komposition. Zielgenau und erfrischend spielen die Komponistin und ihre Partner „krumme Takte“ mit Rhythmuswechseln der Komposition „Salsa Torsida“.

Getragen und balladesk bläst die Musikerin ihre dunkel timbrierte Altflöte in „Airy“ zu den klangvollen Basslinien und der dezenten Untermalung von Piano und Schlagzeug. Lyrik und melancholische Harmonik stehen bei diesem Gemeinschaftskonzert neben modernem Jazz und freien Improvisationen. Die Solistin tänzelt hin und wieder auf der Bühne, bewegt sich im Takt der Musik in der sie ganz aufgeht. Das begeisterte Publikum erklatscht sich die Zugabe „Endlich Urlaub“.  Klaus Mümpfer

Heiße Jazz-Rhythmen auf drei Decks

Obwohl die Wetterprognose eher ungünstig war, haben sich etwa 320 Jazzfreunde an Bord der »MS VATER RHEIN« eingefunden, um an der nunmehr 22. Riverboat-Shuffle des Jazzclub Rheinhessen teilzunehmen. Während noch am Abend zuvor Gewitter mit Starkregen in der Gegend wütete, hatte Petrus ein Einsehen und viel Sonne und nur wenige Wolken sorgen bei angenehmen Temperaturen dafür, dass sich das Freideck schnell füllt. Nachdem im Zwischenstopp in Rüdesheim noch fast 20 Gäste zugestiegen waren, lässt sich der Rheindampfer flussabwärts in Richtung Loreley treiben.

Mit ausgelassener Spielfreude und facettenreich präsentiert die Formation “All That Jazz“ um Clubmitglied Toni Krebs auf dem Oberdeck vorwiegend traditionellen New Orleans-Jazz. Neben dem Leader an der Trompete spielen in der Frontline mit Detlev Erbsmehl (Altsaxophon) und Fred Birt (Posaune) erfahrene Jazzer. Aber auch die Rhythmusgruppe braucht sich nicht zu verstecken. Das markante Banjospiel des aus England stammenden Eric Webster, der als einer der Besten seines Fachs in Europa gilt, oder die atemberaubenden Soli auf dem gewaltigen Sousaphon von Charly Zerfaß setzen Glanzpunkte. Schlagzeuger Ernie Cojoe spielt an diesem Tag sehr New Orleans dienlich ohne Solo. Als Stärke der Band erweisen sich kreolische Stücke wie “Mama Inez“ oder “Jambalaya“, aber auch die Verjazzung von volkstümlichen Melodien wie “Hallo Frl. Lisa“ (“Insterburg und Co“ 1973) und Gitta Linds “kleiner Puszta Post“ (ca. 1953) mit dem Gesang von Leader Toni Krebs. Die anderen Gesangseinlagen teilen sich die sympathische Jasmin Shakir und Fred Birt, der auch als Moderator fungiert.

Während „All That Jazz“ bereits in den Jahren 2007, 2012 und 2015 an Bord der “MS Vater Rhein“ spielte und immer viele Fans mitbringt – diesmal sind es wieder gut 100 –, gastiert ein Deck tiefer das Quintett “Wonne Jazz“ erstmals bei der Rheinfahrt zur Loreley. Die fünf Musiker aus dem Wonnegau haben sich zusammengefunden, um auf der Grundlage ihrer klassischen Instrumentalausbildung neue Wege zu beschreiten und ihrer Lieblingsmusik, dem Jazz, einen eigenen Sound zu verleihen. In einem Halbkreis spielen neben Leader Dietmar Emmel (Piano und Saxophon) Gunter Freising (Gitarre), Armin Schnell (Schlagzeug), sowie das Brüderpaar Martin (Kontrabass) und Norbert Blüm (Geige). Während die Geige als melodieführendes Instrument einen weichen und warmen Sound erzeugt, der besonders bei ruhigen Balladen zum Tragen kommt, wird sie aber auch richtig fetzig eingesetzt wie beispielsweise im “Watermelon Man“ oder in “Take Five“, bei dessen Interpretation Komponist Paul Desmond seine wahre Freude gehabt hätte. Besonders dekorativ flaniert dabei Norbert Blüm mit seiner mit Funkmikro ausgestatteten weißen Geige durch die Reihen der Gäste. Unermüdlich überbrücken noch Rainer Kleemann mit Gitarre und Gesang und Dietmar Emmel am Piano die erste längere Pause. Die Ehefrau des Pianisten, Sibylle Emmel, übernimmt unterdessen die Feinabstimmung des Sounds und führt sympathisch durch das Programm.

Am Wendepunkt der Shuffle finden sich die komplette “All That Jazz“-Band sowie Norbert Blüm mit Geige und Dietmar Emmel mit Saxophon auf dem Freideck ein, um unter freiem Himmel am Fuße des berühmten Felsen “Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin“ zu intonieren. Mit New Orleans-Standards wie “When the saints“, “Ice Cream“ oder der “Bourbon Street Parade“ folgt eine gut halbstündige Jam Session mit vielen Soli, wobei Jasmin Shakir mit buntem Schirm die Richtung vorgibt. Das inzwischen zahlreiche Publikum applaudiert stehend.

Wie meist bei schönem Wetter war das Unterdeck zu Beginn der Rheinfahrt schlecht besucht. Im Laufe der Zeit bleiben allerdings viele Gäste aus oberen Gefilden, die bei “Wonne Jazz“ mal reinschnuppern wollen, gleich da, so dass es in der letzten Stunde auch im Unterdeck nur noch wenig freie Plätze gibt.

Ein längeres Nebeneinander der “MS Vater Rhein“ mit dem 1905 in Dienst gestellten Raddampfer “Goethe“ lässt Mississippi-Flair aufkommen. Bevor sich die Gäste anschicken, nach über vier Stunden Rheinfahrt bei bester Stimmung von Bord zu gehen, waren bereits einige Musiker von “All That Jazz“ vorausgeeilt, um passend zur Situation mit Stücken wie “Down by the riverside“ oder “Ich habe das Fräulein Helen baden sehn…“ die Jazzfreunde musikalisch wieder auf festem Boden in Empfang zu nehmen. Bei bester Stimmung geht eine tolle abwechslungsreiche Rheinfahrt zu Ende, die wohl auch im nächsten Jahr wieder stattfinden dürfte.  Ludwig Lang

 

 

 

 

 

 

 

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