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Joscho Stephan auf Djangos Spuren

Wenn es die „Gipsy Kings“ nicht schon gäbe, müsste diese Truppe eigentlich so heißen, die fabelhaften Musiker des „Joscho Stephan Trios“. Im Gegensatz zu den spanischen Gitarreros liefern die Herren aus dem Ruhrgebiet jedoch keinen mainstreamtauglichen Gipsy-Pop ab, sondern bieten hochkarätige, individuelle Kunst in der Tradition von Django Reinhardt.

Wer dessen Stil kennt und schätzt, wurde von einer kreativen und spannenden Weiterentwicklung des Genres überrascht. Wer aus purer Neugier in die Anhäuser Mühle kam, erlebte ein grandioses Konzert mit energiegeladener, erfrischender Musik, wie sie kaum besser für einen Abend im Hochsommer geeignet sein könnte. Dazu eingeladen hatten der Jazzclub Rheinhessen und die Verbandsgemeinde Monsheim.

Das Weltklasse-Ensemble, bestehend aus Joscho Stephan und Günter Stephan an der Gitarre sowie Volker Kamp am Kontrabass, kam gerne zum zweiten Mal an diesen schönen Ort. Gleich beim ersten Stück zogen die Vollblut-Musiker die Zuhörer in ihren Bann und ließen sie keine Sekunde mehr los. Einerseits durch die tolle Musik, andererseits durch die Moderation von Joscho Stephan zwischen den Stücken, der äußerst witzig und schlagfertig Entertainer-Qualitäten an den Tag legte. Das Publikum will bei einem Live-Konzert immer auch Persönlichkeit auf der Bühne erleben und davon hat Joscho Stephan jede Menge.

Als Kopf der Gruppe, sozusagen der „Gipsy King“ des Abends, lenkte er das perfekte synergetische Zusammenspiel mit der Rhythmusgitarre, an der sein Vater schier unbeirrbar die harmonische und metrische Basis lieferte, und dem Kontrabass, der sich mit wohlklingender Präsenz einfügte. Diese Musiker scheinen vom heiligen Geist des Rhythmus gesegnet, und zugleich beherrscht Joscho Stephan auf eine diabolische gute Weise seine Gitarre, sodass letztlich „es“ spielt, was absolute Freiheit in der Gestaltung ermöglicht. Die Finger verselbstständigen sich und flirren fast wie Kolibri-Flügel über die Saiten, über die Bünde hinaus werden die höchsten Töne ausgereizt, die Dynamik detailgenau ausgefeilt.

Verschiedenste Anschlags- und Zupftechniken bescheren immer wieder neue Klangfarben, schmeichelnd zart, kraftvoll, ja nahezu rockig, Pizzicato, elegisch – jedes Stück bringt neue Überraschungen. Auch Volker Kamp fasziniert bei den Soli mit höchster Virtuosität an seinem Instrument und elastischem, vollen, zugleich brillanten Klang. Nur Günter Stephan darf nicht „solieren“ wie sein Sohn scherzend sagt, denn er muss die Truppe zusammenhalten, was er souverän und elegant groovend tut.

Joscho Stephan verwebt in seinen eigenen Stücken und Arrangements den Gipsy-Swing kongenial mit Stilelementen von aktuellem Jazz, ja sogar mit Klassik und Pop. So kamen die begeisterten Besucher in den Genuss von 14 unterschiedlichsten Kompositionen plus zwei Zugaben. Besonders beeindruckten „Made in France“, wunderbar melodisch pointiert, ein raffiniert adaptiertes „Hey Joe“ nach Jimi Hendrix, das sinnliche „Blue Drag“ und „Bossa Dorado“ mit genialer rhythmischer Struktur und einer Energie, als spielten doppelt so viele Instrumente.

 

  • RÜCKBLICK

Django Reinhardt (1910-1953), französischer Gitarrist, Komponist und Bandleader, gilt als der Begründer des europäischen Jazz. Seine Profi-Karriere als Musiker begann er schon mit zwölf Jahren. 1934 gründete er das legendäre Quintett „Hot Club de France“, in dem auch der Violonist Stéphane Grappelli spielte.

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