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Jazz-Frühschoppen 2011

Frühschoppen 2011 mit St. Philip Street Quintet
in Guntersblum

Bereits um 10 Uhr fanden sich etwa 40 wissbegierige Gäste am Eingang des Weingutes Domhof ein, um von Kultur- und Weinbotschafter Jörg Johannson, dem Vater der Gutsherrin Chris Baumann, während eines historischen Ortsrundganges durch Guntersblum interessante Informationen zur Geschichte vermittelt zu bekommen. So wurde Guntersblum erstmals im Jahre 897 in einer Urkunde des Klosters Maximin in Trier erwähnt, wobei der Name wohl nach dem Pflaumengarten von König Gunter herrührt. Zwei Schlösser aus dem 18. Jahrhundert sowie die Evangelische Kirche mit einem Turm von etwa 1100 sind markante Gebäude der Gemeinde, die vor allem durch den Weinbau und das Kellerwegfest bekannt ist.

Als die Gäste gegen 11 Uhr vom Rundgang zurück wieder im Weingut eintrafen, gab es für manche eine unangenehme Überraschung: frei Plätze waren Mangelware. So gaben einige Jazzfreunde ihre bereits vorher gekauften Karten wieder zurück und verließen enttäuscht das Weingut. Thomas Huckle, erster Vorsitzender der Kultur- und Weinbotschafter sowie Vorstandsmitglied des Jazzclub Rheinhessen, entschuldigte sich in seiner Begrüßung für diese missliche Situation. Das tolle Wetter hat dazu beigetragen, dass bereits frühzeitig nahezu alle Plätze besetzt waren.

Ansonsten hatten Chris und Alexander Baumann und mehrere Hilfskräfte eine Menge zu tun, um die Gäste mit Speisen und Getränken zu versorgen. Interessante vom Restaurant des Weingutes der Stadt Mainz hergerichtete Speisen wie Flammkuchen „New Orleans“, Bauernbratwurst mit getrockneten Aprikosen und grünem Pfeffer, gratiniertes Spargelragout oder der traditionelle Spundekäs’ mit Brezelchen fanden zahlreiche Liebhaber. Aber auch die Weine des Hauses aus vor allem klassischen Rebsorten Riesling, Silvaner und Grauburgunder sowie der Cocktail “Aperol mit Sekt“ fanden reißenden Absatz. Als dann noch gegen halb zwölf das “St. Philip Street Quintet“ mit “When My Dreamboat Comes Home“ loslegte, war das Glück der gut 150 Jazz-Fans vollkommen.

Gespielt wurde traditioneller New Orleans-Jazz – eine erdige Musik mit viel Freiraum für Improvisationen, welchen die Musiker auch allesamt ausgiebig nutzten. Bandleaderin Jutta Klauer musste kurzfristig zwei Bandmitglieder ersetzen, so dass die Band wohl kaum wieder in dieser Besetzung spielen dürfte. Neben der Bassistin Jutta Klauer spielte nur ihr Ehemann Harald Blöcher am gewohnten Platz in der Frontline. Posaunist Blöcher spielt den „Tailgate-Stil“, bei dem ein Slide-Effekt, ein Hinübergleiten von einem Ton zum anderen, angewendet wird. In der Rhythmusgruppe sollte eigentlich Dominik Dötsch wie gewohnt am Piano agieren. Für den nicht zur Verfügung stehenden Drummer Tom Schilp wechselte Dominik Dötsch zum Schlagzeug, während als Gast Werner Sahm den Part am Klavier übernahm. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Frankfurter Pianist Werner Sahm zusammen mit Harald Blöcher bereits in den 50er Jahren in Deutschlands populärster Jazzkapelle, der “Barrelhouse Jazzband“ erfolgreich war.

Aber auch Klarinettist Harry Lange, der mit seinem vibratoreichen an George Lewis erinnernden Stil ansonsten für die Klangfarbe des St. Philip Street Quintets sorgt, stand an diesem Tage nicht zur Verfügung. Dafür spielte als Gast ein hochinteressanter Kollege an der Klarinette: John Defferary. Der 1941 in London geborene Jazz-Klarinettist wurde beeinflusst von Barney Bigard, Edmond Hall und Albert Nicholas, mit denen er in Amerika zusammentraf. Er spielte bereits in den Bands von Papa Bue, Chris Barber und Trevor Richards und machte Plattenaufnahmen mit Albert Nicholas, Sammy Price, Champion Jack Dupree und Ralph Sutton. John Defferary begeisterte durch seine Virtuosität, seine kreolische, unvergleichlich swingende Klarinette.

Während die Rhythmusgruppe einen soliden Soundteppich unterlegte, wechselten sich die beiden Bläser Defferary und Blöcher bei wilden Soli ab, umspielten und verwoben ineinander und waren abwechselnd auch als Sänger aktiv. Aber wie viele Gäste kämpften auch die Musiker mit der prallen Sonne und waren nur bereit nach dem Aufstellen weiterer Sonnenschirme den dritten Set zu beginnen. Während sich die Gäste bereits leckeren Kuchen und Kaffee munden ließen, präsentierte das St. Philip Street Quintet zum Schluss noch den wohl beliebtesten Spiritual “When The Saints Go Marching In“.

Ludwig Lang

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