B i l d e r
Barrelhouse Jazzband mit Angela Brown donati_442_web gordon-mit-essen_homepage tanya-boutte_essen_gala-2011

International Trio 2015

Von Essen_Franc_4484_ClubpageAnhaltend bläst der fast 75-jährige Klarinettist Reimer von Essen ohne Zirkularatmung einen Ton auf seinem Instrument. Auf dieser Fähigkeit angesprochen, sagt er völlig ohne Neid: „Olivier Franc kann dies fast doppelt so lange.“ In der Tat übertrifft der französische Sopransaxophonist beim gemeinsamen Finale der des „Royal Garden Blues“ den Frankfurter Bandleader. Schon zuvor bei der Bechet-Komposition „Dans les rues d´Antibes“ hatte der jüngere Franc den längeren Atem. Bechet hatte das fröhliche Stück zu seiner Hochzeit mit der Deutschen Elisabeth Ziegler im Jahr geschrieben.
Doch zum Wettstreit sind die beiden Bläser beim Konzert des Jazzclubs Rheinhessen in der Saulheimer Sängerhalle schließlich nicht angetreten. Das International Trio mit dem Schlagzeuger Trevor Richards, dem Pianisten Paul Asaro und Reimer von Essen präsentiert im Quartett mit dem Sopransaxophonisten Olivier Franc musikalische Kleinodien des traditionellen Jazz. Kompositionen von Sydney Bechet vor allem standen auf dem Programm, denn Franc gilt nach wie vor als authentischster Vertreter der Bechet-Schule. Der Saxophonist spielt auf dem goldenen Saxophon des Meisters, das einst ein reicher Jazzfan bei einer Auktion für umgerechnet 117 000 Euro ersteigerte und ihm überließ.
Die Melodien von Klarinette und Sopransaxophon umranken einander bei Kompositionen wie „Delta Mood“, dem „Weary Blues“ oder Georgia Cabin“. Reimer von Essen und Olivier Franc kommunizieren sicher im Ruf-Antwort-Spiel. Sie improvisieren mal mehrstimmig, mal Unisono zur rhythmischen Basis des Drummers Trevor Richards, der sensibel und mit unheimlichem Gefühl für „time“ sowie Präzision trommelt. Mag sein dass der Schlagzeuger nach den vielen Jahren in der Begleitung zu selten aus routinierten Trommel-Figuren ausbricht, seine Soli sind der Bewunderung wert. Mag auch sein, dass Olivier Franc zu wenig in dynamischen Abstufungen zugunsten stetigen Powerspiels in den hohen Lagen bläst, das Publikum des Konzertes feiert die Künstler begeistert und beklatscht die Soli frenetisch.
Neu im International Trio, das nach seiner Gründung 1981 in den Anfangsjahren die legendären Pianisten Art Hodes und Ralph Sutton präsentierte, ist der junge Paul Asaro aus Chicago. Er zählt bereits zu den versierten Vertretern des anspruchsvollen Stride-Piano- und Ragtime-Stils aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit einem feinen Gespür mischt er die Tradition des Zweihand-Spiels mit den komplizierten Bassläufen der linken und den synkopierten Figuren der rechten Hand in den Höhen zu einem eigenen persönlichen Stil. Dass er Jelly Roll Mortons „Finger Buster“ im Solo mit den wechselnden Tempi und sperrigen Akkordfolgen sicher präsentiert, spricht für die Virtuosität des Künstlers, denn einst wollte Morton mit dieser Komposition seiner Überlegenheit als Pianist beweisen.
In Olivier Francs Saxophon-Spiel verbinden sich der Blues der schwarzen Amerikaner mit der Lebensfreude der Franzosen, wie es vor vielen Jahren Sydney Bechet im Solo oder im Duo mit dem Klarinettisten Mezz Mezzrow vormachte. Kein Wunder, dass von Essen und Franc im Saulheimer Konzert neben „Delta Mood“ auch mit „Really the Blues“ den beiden Legenden ihre Ehrerbietung erwiesen. Franc bläst ein mitreißendes Solo in „On the sunny side oft he street“. Pianist Asaro erweist mit leicht gepresster Kopfstimme Fats Waller seine Referenz sorgt so für Abwechslung.
Klaus Mümpfer

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