B i l d e r
az-big-band_0123 Lillian Boutte und Reimer von Essenbei der Jazz-Gala  2014 Lillian Boutte_Reimer von Essen_Clubpage IMG_1846

International Trio 2013

 International Trio 2013 liebt Bechet

Olivier-Franc_Reimer-von-Essen

Die Melodien von Klarinette und Sopransaxophon umranken einander. Reimer von Essen und Olivier Franc lassen ihre Instrumente parlieren, spielen sich die musikalischen Bälle im Ruf-Antwort-Spiel zu, improvisieren mal zweistimmig und dann wieder unisono. David Boeddingshaus greift dazu in einer Mischung aus Stride-Piano und Ragtime in die Tasten des Flügels und Trevor Richards unterlegt auf seinem recht kleinen Schlagzeug mit den wenigen Trommeln, Hölzern und Kuhglocke einen sensiblen und differenzierenden Rhythmusteppich. „Never I will forget the Blues“ ist eine des Kompositionen von Mezz Mezzrow und Sidney Bechet, die das International Trio mit seinem französischen Gast Olivier Franc in diesem kurzweiligen Konzert des Jazzclubs Rheinhessen präsentiert.

Doch es ist nicht nur die Musik, die die Konzerte des International-Trios so amüsant zum Erlebnis werden lassen. Es sind auch die zahlreichen Anekdoten, die der Klarinettist Reimer von Essen von der Frankfurter Barrelhouse Jazzband so locker aus seinem phänomenalen Gedächtnis kramt. Verständnisvoll lachen die zahlreichen Jazzfreunde in der Saulheimer Sängerhalle über die Auseinandersetzung zwischen Kid Ory und Lil Armstrong, die mit dem nicht stubenreinen Spruch endet: „Do what Ory say“. Diese Aussage wurde schließlich zu einem Thema, das zahlreiche Bands aus der Anfangszeit des Jazz in ihren Kompositionen verarbeiteten.

Von Essen erinnert an die Gründung des Trios durch den Pianisten Art Hodes im Jahr 1981. Seit nunmehr drei Jahren sitzt Boeddinghaus am Klavier und Nachfolger des Saxophonisten René Franc ist sein nicht minder berühmter Sohn Olivier. Der Gast aus Frankreich gilt als legitimer Bewahrer der Bechet-Tradition und bläst auf einem Sopransaxophon des Meisters.

„Clarinet Marmelade“ aus dem Jahr 1918 spielt das Trio im Original-Tempo, „Lastic“ zieht die Zuhörer mit seinen kreolischen Rhythmen in Bann. Beim Blues bebt das betagte Parkett in der Sängerhalle, weil das Publikum taktsicher mitstampft. Schlagzeuger Trevor Richards lacht breit, wenn ihm eine Passage der beiden Bläser gefällt oder ihm eines der kraftvollen und vielschichtigen Soli auf seinem Set besonders gut gelingt. Reimer von Essen und Olivier Franc sprechen während des Spiels immer wieder ihre Soli und Duo- Improvisationen ab, gehen sensibel und sicher aufeinander ein. Bechets Up-Tempo-Komposition „Buddy Bolden Stomp“ zählt bei diesem Konzert ebenso zu den Glanzlichtern wie Jelly Roll Mortons berühmtes „The pearls“ und die Ballade „Indian Summer“.

Traditionell gewährt das International Trio dem Pianisten im Konzert zwei Solo-Vorträge. Boeddinghaus lässt auf dem Flügel mit der linken Hand die Bässe rollen und legt Harmonien unter die Melodieläufe, die er mit der rechten Hand spielt. Dabei pendelt er zwischen Ragtime und Stride-Piano, das ihm mehr improvisatorischen Freiheit als der Rag erlaubt. Der Pianist ist kein Hochgeschwindigkeits-Virtuose, aber ein präziser und einfühlsamer Solist.

Vor dem Konzert hatte der langjährige Vorsitzende Karl-Heinz Brück seinen frisch gewählten Nachfolger Karlheinz Belzer vorgestellt.

Klaus Mümpfer

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