B i l d e r
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International Trio 2007

International Trio

in Saulheim, 28.03.2007

„Stride“ ist jener Schritt zwischen der tiefen Bass-Note auf den ungeraden und dem höher liegenden Akkord auf den geraden Zählzeiten. Den kunstfertigen beständigen Wechsel mit der linken Hand zeichnen die Stride-Pianisten aus, die aus der Quelle des Ragtime schöpfen. Der Franzose Christian Azzi, mit dem der Klarinettist Reimer von Essen und der Schlagzeuger Trevor Richards jetzt wieder als Gast des Jazzclubs Rheinhessen in der Saulheimer Sängerhalle spielen, ist ein exzellenter Schüler der frühen Stride-Pianisten James P. Johnson und Fats Waller. Reimer von Essens expressives Klarinettenspiel harmoniert vorzüglich mit den metrisch aufregenden Klavierläufen und das stets präzise in „Time“ getrommelte melodische Schlagzeug von Trevor Richards rundet ab, ohne je aufdringlich zu wirken. Azzi lässt in Sidney Bechets „Polka Dots“ auch mal die Bässe der linken Hand „rollen“, während die rechte Hand kurze Melodieläufe greift, Richards belegt seine musikalische Herkunft vom Mississippi mit einem luftigen und transparenten Spiel selbst in den treibenden Power-Soli, während von Essen sich kraftvoll und zugleich mit der Eleganz des Swing Bechet nähert.

Traditioneller Jazz aus New Orleans mit den musikalischen Kleinodien aus den Federn von King Oliver, Fats Waller, Barney BigardLil Armstrong, James P. Johnson oder Sidney Bechet wird in der Interpretation des International Trios lebendig. Reimer von Essen trägt als Moderator seinen Teil dazu bei, dass sich die Kompositionen mit Leben füllen und die Jazzlegenden vor den geistigen Augen der Zuhörer wiederauferstehen. Unterhaltsam und lehrreich zugleich erzählt von Essen wie den Brass Bands in New Orleans der Ragtime mit Ragtime-Märschen spielbar gemacht wurde, eine Komposition über den Umweg New York, wo sie mit einer Melodiestimme für die Piccolo-Flöte angereichert wurde, an den Mississippi zurückkehrte, wie die Klarinette den Part der Flöte übernehmen musste und das Thema als „High Society“ weltberühmt wurde. Viel kreolischer Voodoo-Zauber steckt in „Mood Indigo“, einem Gemeinschaftswerk von Duke Ellington und dem Klarinettisten Barney Bigard, ein getragenes Stück mit dem dunkel timbrierten Klarinettensound, der nach einem Piano-Solo zeitweilig expressiv in die Höhen steigt und das mit anhaltendem Vibrato ausklingt. Dazwischen plaudert von Essen über den jungen Louis Armstrong, der als Zögling in einer Anstalt für straffällig gewordene Jugendliche das Kornettspiel lernte und eine seiner ersten Kompositionen, „I wish I could shimmy like my sister Kate“ für 15 Dollar an einen Musikverleger verhökerte. Natürlich darf in einem Konzert des Trios Johnny Dodds nicht unerwähnt bleiben, der Reimer von Essen zum Jazz im Allgemeinen und zur Klarinette im Besonderen gebracht hat – und schon gar nicht das berühmte „Summertime“.

Für den Vorsitzenden des Jazzclubs, Karl-Heinz Brück, war es ein besonderes Anliegen, Reimer von Essen, dem bekennenden Liebhaber des Silvaner-Weins aus Rheinhessen, zu dessen Jubiläum der 50-jährigen Bühnenpräsenz eine Flasche der Sonderabfüllung zu überreichen. Der so Beschenkte bedankte sich mit dem Lob, dass der Jazzclub einer der rührigsten in Deutschland sei.

Klaus Mümpfer

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