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chris-barber_2010 chris-barber_brueck_2010 finale_jazz-gala-2010 Enrico Tomasso und Aureli Tropez

Barrelhouse Jazzband 2007

Barrelhouse Jazzband ehrt mit
Olivier Franc und Benoit de Flamesnil
Sidney Bechet, Nieder-Olm, 21. April 2007

 

Geschichte wird interessant, wenn sie lebendig erzählt wird. Mit ihrer musikalischen Hommage an den creolischen Klarinettisten Sidney Bechet gelang der Barrelhouse Jazzband diese Zeitreise in der Ludwig-Eckes-Halle in grandioser Art und Weise.

Das kühle Metall und die polierten hölzernen Corpora der Instrumente glänzen im matten Bühnenlicht und ein sonores Gebrummel im gefüllten Zuschauerraum der Nieder-Olmer Halle verleihen der Veranstaltung bereits im Vorfeld eine gemütliche Note. Zurücklehnen und genießen lautet die Devise. Genau das können die Gäste tun, als die ersten sanften Klarinettenklänge durch den Vorhang sickern und Erzähler Reimer von Essen mit weicher Stimme die „Musik eines Genius“ ankündigt. Keine zwei Minuten später wippen die ersten Füße und Köpfe zum Spiritual „Lord let me in the lifeboat“. Verspielt, verschnörkelt und vital braust das Werk in Richtung Auditorium, während auf einer Leinwand das Leben Sidney Bechets in stillen aber eindringlichen Bildern vorüberzieht.

So passiert die musikalische „Reisegesellschaft“ die wichtigsten Stationen des Ende des 19. Jahrhunderts in New Orleans geborenen Creolen Bechet. Bereits als Jugendlicher spielte er mit Buddy Bolden, stand später an der Seite von Louis Armstrong, Jelly Roll Morton und vielen anderen und wurde von Duke Ellington und Charlie Parker gleichermaßen bewundert.

Mit im Gepäck haben die Barrelhouse Jazzer auch die Solisten Olivier Franc (Sopransaxophon), der als einer der weltweit führenden Interpreten von Bechets Musik gilt, und dessen Vater René, mit dem Bechet bei dessen Konzerten in Paris in den Fünfzigern und Sechzigern gemeinsam auf der Bühne stand, sowie Benoît de Flamesnil an der Posaune.

Ob London, Moskau, Paris, Rom oder Berlin: Die Atmosphäre der Europaaufenthalte Bechets, die ihn an der Seite der unsterblichen Josephine Baker über den Atlantik geführt hatten, lebt an diesem Abend virtuos auf. Bei „Wildcat Blues“, „Old Fashioned Love“ oder „I found a new Baby“ schmilzt das goldene Instrument in den Händen Francs zu Butter. Ausdrucksstark und in völliger Symbiose mit der gleißenden Lady steht der Franzose in seiner Darbietung zusammen mit den Jungs des Barrelhouse-Ensembles dem Meister in nichts nach. Da mal etwas charlestonlastig, dort eine Brise des aufkommenden Swing oder Blues in seiner schwärzesten Tiefe, den nicht enden wollenden Applaus und die wiederholten Szenen-Ovationen haben sich die neun furiosen Künstler auf der Bühne redlich verdient. Schlösse man die Augen, man könnte problemlos in einem der Nachtclubs in Harlem oder dem French Quarter beseelt träumen, die schwer tabakhaltige Luft inhalieren und mit einem guten Schluck Bourbon die würzige Musik in sich aufsaugen. Kurz und knapp: „Sidney Bechet: Seine Leben. Seine Musik.“ Also genau die richtige Dosis Glückseligkeit für die, die noch träumen können.

Christopher Mühleck in der Allgemeinen Zeitung Mainz, 25.4.2007

 

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