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Carla Bley - 2003 finale_jazz-gala-2010 Rod Mason und Klaus Wegener 2014 IMG_1845

Barrelhouse Jazz-Gala 2010

Jazz-Gala 2010

Jazz-Gala-2010

Mit Ida Cox, einer der Legenden des klassischen Blues, ist sich die Sängerin Gaye Adegbalola einig: „Wild women don´t have the Blues“. Und so wirbelt die „Shouterin“ in der Barrelhouse Jazz Gala 2010 über die Bühne der Nieder-Olmer Ludwig-Eckes-Halle und singt sich den Blues aus der Seele. „Eine ältere Dame in Baumwolle“ bezeichnet sie sich einmal während der Show, doch diese Alterseinstufung nimmt das begeisterte Publikum der 66-jährigen, temperamentvollen Künstlerin nicht ab. Auf sie passt schon eher der Memphis-Minnie-Song „Nothing in rambling“ über das Herumtreiben in Gassen und Kneipen. Gaye Adegbalola verfügt über eine kraftvolle ausdrucksstarke sowie leicht raue Stimme, deren Wirkung sie mit einer gut inszenierten Bühnenpräsenz verstärkt. Ihre Repertoire reicht vom archaischen Blues eines John Lee Hooker, dessen Song sie auf der Gitarre interpretiert bis zu Big Mama Thorntons „You ain´t nothing but a hound dog“, ein Song den Elvis Presley weltbekannt gemacht hat. In Nieder-Olm wird die Sängerin von ihrem langjährigen Begleiter Roddy Barnes, einem talentierten Blues- und Boogie-Pianisten, unterstützt. Er setzt den Klavierkontrapunkt zu der mächtigen Stimme, die Wehmut und Resination mit Stolz und Trotz verknüpft. Als Adegbalola im Finale mit allen Musikern des Abends zur Blues-Harp, der Mundharmonika, greift, wünscht man sich, davon mehr gehört zu haben.

Drei exzellente Bläser hat die Frankfurter Barrelhouse Jazzband für die Tournee aus Amerika eingeladen: den Altsaxophonisten Jesse Jones jr., ein Künstler, der aus dem beseelten Memphis-Soul schöpft und ihn mit funky sowie rockenden Riffs und Rhythmen würzt. Parodistisch setzte er in „On the sunny side of the street“ Armstrong-Rauigkeit gegen Kleinkinder-Piepsen und rechtfertig seinen Ruf als „Father of Scat Hop“. Matt Perrine bläst sein riesiges Sousaphon mit einer geschmeidigen Leichtigkeit, flüssig und groovy sowie der harmonischen Kreativität, die aus sowohl seinen Erfahrungen im modernen Jazztrio mit dem Kollegen Jon Sass und der Schweizer Sängerin-Performerin Erika Stucky, aber auch dem New-Orleans Shuffle entspringt. Dritter im Bunde ist der Trompeter Floyd Barney, ein Spezialist für High-Note-Lagen, die er mit strahlendem und gleißendem Ton bewältigt.

Den Klassiker „Body and Soul“ haben Musiker wie Louis Armstrong, John Coltrane oder Coleman Hawkins auf jeweils ihre Weise ganz unterschiedlich interpretiert. Perrine, Jones und Barney haben nun mit der getragenen Sousaphon-Einleitung, dem soulträchtigen Saxophon und der warm klingenden Trompete, aber auch dem filigranen Gitarrensolo und den sensiblen Piano-Läufen der Barrelhouse-Musiker Roman Klöcker und Christoph Sänger ihre eigenständige Version zur Song-Historie beigetragen.

Duke Ellingtons „Perdido“ darf in diesem gut dreieinhalbstündigen Konzert nicht fehlen, das die Barrelhouse ja vor allem dem Duke des Jazz gewidmet hat. Die Frankfurter Band gewinnt mit ihrem neuen Pianisten Sänger, der sich, obwohl im moderneren Jazz zuhause, dank seiner Stilsicherheit vorzüglich in die zeitgenössisch inspirierte New-Orleans-Spielweise der Frankfurter einfügt. Er „führt“ die Musiker mit sparsamen Akkordeinwürfen und brilliert in den Soli mit perlenden Melodielinien. Die Barrelhouse Jazzband trifft die Ellingtonia-Moods stilsicher – ob nun in „Drop me off in Harlem“ oder in einem längeren Ellington Medley mit mehrstimmigen Bläsersätzen. Frank Selten mit diversen Saxophonen, Horst Schwarz mit Posaune und Trompete, Reimer von Essen mit Altsaxophon und Klarinette blasen ihre Instrumente gleichermaßen virtuos in sonoren Balladen wie in expressiven Up-Tempo-Passagen, Bassist Cliff Soden lässt den Bass „straight marschieren“ und Schlagzeuger Michael Ehret trommelt flexibel angepasst. Die Fans in der ausverkauften Eckes-Halle feiern die Künstler mit stehenden Ovationen und frenetischem Beifall.

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